Alles gerettet?

Martin Schwanda und Lukas Haas in 
Alles gerettet! © Christian Mair

Mit dem Motto »Courage« hat das Wortwiege Festival ein Programm formuliert, das nicht passender sein könnte im Angesicht der aktuellen Entwicklungen. Das Festival zeigt vom 26. Februar bis 30. März 2025 die Wiederentdeckung von Helmut Qualtinger und Carl Merz´ Stück über den Ringtheaterbrand „Alles gerettet!“, eine Neuinterpretation von Hugo von Hofmannsthals „Elektra“, die Schiene „PLAY!“ mit vier aufregenden Stoffen und ebensolchen zeitgenössischen Theatermacher:innen, die thematisch vertiefenden öffentlichen „Salons“ mit prominenten Diskussionsgästen wie Lisz Hirn, Paulus Hochgatterer, Konrad Paul Liessmann oder Franz Schuh sowie eine Sonderausgabe der Theaterserie REDEN! featuring Sokrates.

Vom Herzen
Das Wort Courage leitet sich aus dem lateinischen "cor, cordis" bzw. vom französischen cœur, also vom Herzen ab. Wolfgang Müller-Funk hat sich der Courage angenommen und sie dem Mut gegenüber gestellt. Daraus hat Müller-Funk ein Essay entwickelt, das hier nachgelesen werden kann.

Alles gerettet
Am 8.12.1881 ereignet sich einer der größten Unglücksfälle der Monarchie: Der Ringtheaterbrand kostet offiziell 384, inoffiziell noch mehr Menschen das Leben. 1882 stehen die Verantwortlichen vor Gericht.

1963 wird das Prozessdrama „Alles gerettet“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger als TV-Spiel im ORF gesendet. Dann verschwindet der geniale Text, der 40% originales Prozessmaterial und tiefe Einsichten über die menschliche Natur enthält.

Tragisch, existenzkomisch, erhellend: Die Wortwiege bringt das verdrängte Meisterwerk, das die Unbegreiflichkeit und dennoch allzu menschliche Unzulänglichkeit im Umgang mit der Katastrophe zeigt, zurück ins Rampenlicht.

Nico Dorigatti in Featherman © Nico Dorigatti

Hofmannsthals Elektra 
Hugo von Hofmannsthals „Elektra“ ist ein ungeheuerliches und ungeheuer feinsinniges Kammerspiel menschlichen Begehrens und Aufbegehrens. Und gleichzeitig ein Familienkrimi, klaftertief ausgeleuchtet von Hofmannsthals Sprachkunst und neu interpretiert vom griechisch-deutschen Regiepoeten Sarantos Georgios Zervoulakos.

PLAY! – Couragierte Theatermacher:innen

Vier sehr unterschiedliche, zeitgenössische Bühnendichter:innen und ihre Teams zeigen eine facettenreiche Bandbreite ihrer Kunst, die sowohl unserer Wirklichkeit als auch dem Medium Theater gerecht wird.

„The Director’s Guide For Theater During Wartime“ von Hannan Ishay und Ido Shaked: Der Nahostkonflikt in einer scharfsinnigen, tragikomischen, zutiefst berührenden Doppelconference. Brillianz zwischen allen Stühlen.

Demokratischer Tiefpunkt
Dieses Jahr bringt das Wortwiege Festival eine Sonderausgabe seiner beliebten Theaterserie REDEN!:

 Sokrates Rede von Horst Schily © Christian Mair

Sokrates Rede re-enacted von Horst Schily als Tiefpunkt demokratischer Moralität, und Höhepunkt scharfen, kompromisslosen Denkens und Handelns gegen den Strom, analysiert von Irmgard Griss.

„Worüber man lacht, wenn es nichts zu lachen gibt“ von Mario Wurmitzer - Daniil Charms, Inbild des subversiven Künstlers, König der Underdogs kehrt als Untoter in eine neoliberale, flache Gegenwart zurück, die das Genie vermarkten will

„Quais de Seine“ von Alexandra Badea - Die zeitgenössischen Wunden des Kolonialismus, jenseits von moralisierenden Theorien, dafür in der empathischen Klarheit einer rätselhaften, poetischen Familiengeschichte.

“Featherman” von Nico Dorigatti - müssen wir alle „ausziehen, um das Fürchten zu lernen“, um eigenen und fremden Ängsten couragierter, ja, dreister zu begegnen?

Außerdem erhält Emine Özdamar den Manés Sperber Preise im Rahmen des Festivals.