Arbeitskörper
© Loizenbauer
Am 24. und 25. Jänner 2025 bringt Michael Turinsky seine aktuelle Arbeit Work Body im Tanzquartier Wien zur Uraufführung. Seine neueste Arbeit ist inspiriert vom Gedicht „Le cenere di Gramsci“ (Die Asche von Gramsci), das Pier Pasolini dem ebenfalls körperlich behinderten Mitbegründer der kommunistischen Partei Italiens Antonio Gramsci widmete. Der Philosoph, Choreograf und Kurator Michael Turinsky zählt zu den wichtigsten behinderten Bewegungsdenker*innen im deutschsprachigen Raum.
Pasolinis sinnlich-intellektuelle Hommage an den marxistischen Denker nutzt Turinsky, um in Work Body eine Antwort auf den allgemeinen, von Männlichkeitsfantasien durchdrungenen Rechtsruck im Arbeitermilieu zu finden.
Erotische und narzisstische Untertöne
Gramsci betonte stets den „authentischen Kern“, den „buon senso“ im proletarischen Erleben.
Wie steht es um die darin schlummernde Sehnsucht, autonom und mit seinesgleichen zu verkehren?
Wie steht es um die erotischen, aber auch narzisstischen Untertöne von Kameradschaft und Brüderlichkeit? Und wie verhält sich kommunistisches Begehren zu sexuellem Begehren?
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Bauend, singend, sprechend, tanzend, quer zur kapitalistisch organisierten Arbeitsteilung, unterwandert Turinsky nicht nur die Trennung von Kopf- und Handarbeit, sondern auch die Grenzen zwischen choreografischer Intervention, Konzert und politischer Agitation.
Work Body schafft einen Raum für Resonanzen zwischen dem „behinderten“ und „arbeitenden“ Körper. Damit rückt Turinsky die an die Ränder der Repräsentation gedrängten Körperlichkeiten ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit.
Inklusive Welt
Michael Turinsky ist ein in Wien ansässiger, körperlich behinderter Künstler und Theoretiker, der an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz und Performance, Behinderung sowie politischer und ästhetischer Theorie arbeitet.
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