Aufschrei

 © Anna Stöcher

Saskia Hölbling zeigte mit ihrer Compagnie DANS.KIAS vom 14. bis 19. Jänner Cri de Signes im Wiener Off Theater und vertieft sich mit ihrem aktuellen Stück in die Zeichen der Zeit

Saskia Hölbling kartografiert in Cri des Signes gegenwärtige Stimmungen und choreografiert ihre Beobachtungen:

“Blicken wir uns um, so bekommt man den Eindruck, dass es oft kaum noch möglich ist, nuanciert miteinander umzugehen oder aufeinander einzugehen. Mich interessiert, wieso so viele gegen die gemeinsamen Interessen in einer Welt stimmen, die von Nationalismus, Krieg und Klimakrise bedroht wird?

Ich sehe eine mögliche Antwort in unserem Medienkonsum, in dem wir immer stärker mit vorproduzierten Stimmungen und Ängsten geflutet werden und einem immer gröber werdenden, polarisierenden und tatsachenverdrehenden Sprachgebrauch.

 © Anna Stöcher

Das überfordert uns alle, lädt zum Rückzug ein und befördert gleichzeitig irrationales Handeln," meint die Choreografin.

Traumtänze

Das Gekreische unserer Zeit scheint die drei Tänzerinnen Saskia Hölbling, Leonie Wahl und Ardan Hussain förmlich zu durchfahren und entlädt sich explosiv in ihren Solos.
Zugehörigkeiten werden ausprobiert, Kleidung und ihre Wirkung in Schichten gekostet. Mit großer Geste wird Zweisamkeit probiert, dann intim und spielerisch. Sind das nur Traumtänze, in denen jeder mit sich selbst tanzt?

Wie in einem Musikvideo, in dem alle Weltprobleme und Klischees dieser Welt auftauchen, aber nicht gelöst werden wollen. Blasentänze, in denen wir nebeneinander und aufeinander tanzen.

 © Anna Stöcher

Aufbruch aus den Eigenwelten
Doch die Momente der Abkapselung und Lethargie drehen sich im Stück immer wieder in tiefe Empathie und Zuneigung und finden sich am Ende fast kosmisch verbunden.

In Cri des Signes ist ganz wesentlich ein Aufschrei gegen die Zuschüttungen unserer Sinne eingeschrieben. Es ist ein Stück, das den Aufbruch aus den Eigenwelten ins Gemeinsame thematisiert. Raus aus den Schichtungen und Oberflächen in eine gemeinsame Welt.